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Schafe auf dem Tempelhofer Feld – Geschichte und Geschichten

Schafe auf dem Tempelhofer Feld – Geschichte und Geschichten

Im 14. Jahrhundert war der Wald bereits gerodet, das Tempelhofer Feld wurde landwirtschaftlich genutzt. Um die sandigen Böden fruchtbar zu machen, halfen auch Schafe. Die Nutzung des Feldes war mindestens so unterschiedlich wie heute. Einige nutzten die Feldwege als Verbindungswege. Gärtner, Kleinbauern und Viehzüchter bauten an und weideten ihre Tiere. Andere wiederum vergnügten sich auf dem Feld. Schafherden und ihre Hüter sind flexibel und fügen sich leicht in wechselnde Gelände-Nutzungen. So waren auch bei militärischer Feld-Nutzung temporäre Beweidungen möglich. Auch der 1923 eröffnete Flughafen Tempelhof koexistierte mit Schafen.

Schafe auf dem Flughafen Tempelhof, 1930er Jahre, Fotograf unbekannt

Die Magerlämmer des 2. Weltkrieges

Bis 1945 kam jeden Winter ein Wanderschäfer aus dem Kyffhäuserkreis in Thüringen auf das Tempelhofer Feld. Seine Tour begann im Raum Nürnberg, wo er begann Magerlämmer zu kaufen. Auch unterwegs kaufte er immer noch Lämmer dazu. In Berlin angekommen weidete er seine Herde solange auf dem Tempelhofer Flugfeld bis er sie zum Schlachthof brachte.

Flucht vor der Zwangsenteignung

1961, noch vor dem Mauerbau. floh Schäfer Gerhard Läpple aus Blankenfelde/DDR mit Familie und 600 Schafen nach Westberlin. Für eine Weile soll er auch auf dem Tempelhofer Feld gehütet haben.

Ein Bayer in Berlin?

Ob der nächste Tempelhof-Schäfer Zirkelbach hieß und aus Bayern kam, müsste noch recherchiert werden. Die Redaktion ist für Hinweise dankbar.

Schafe auf dem Tempelhofer Flughafen, vermutlich nach 1950, Fotograf unbekannt

Der letzte Tempelhofer Flughafen-Schäfer

1979 bis 1992 beweideten die Schafe von Siegfried Hondo das Tempelhofer Flugfeld. Vertragspartner war die USA als Flughafenbetreiber. Hondos Schaf-Herde umfasste je nach Jahr 600 bis 1000 Schafe. Am Südrand des Feldes, zwischen der Müllverbrennungs-Anlage und der alten Gärtnerei hatte er seinen Stall und seine Arbeitsmittel.

Nach dem Beitritt des Staatsgebietes der DDR in den Geltungsbereich des Grundgesetzes der BRD im September 1990 begann das US-Militär sich vom Flughafen Tempelhof zurück zu ziehen. Den zivilen Flugbetrieb übernahm die Berliner Flughafensgesellschaft. 1992 kündigte sie dem langjährigen Schäfer, weil das Bundesministerium für Verkehr von Beweidung auf Flughäfen abriet.

Der Grund? Schafskötel ziehen Insekten an, Insekten vermehren sich und ziehen Vögel an, kleine Vögel vermehren sich und ziehen größere Vögel an. Große Vögel gefährden den Flugverkehr, wenn sie in die Triebwerke geraten. Ein Tempelhofer Flughafenmitarbeiter meinte allerdings “Unsere Krähen kennen die Flugpläne besser als wir!” Der Schäfer ergänzte “Wenn die Flieger kamen, waren die Krähen längst weg.”. Doch die Intelligenz der Tempelhofer Krähen konnte den Flughafenschäfer nicht retten. Die Schafe mussten 1992 weg. 1992 bis 1997 mähte er das Flugfeld mit der Maschine und machte Heu. Aus einer versprochenen Ausgleichsfläche wurde nichts. 1996/97 baute er die Tempelhofer Ställe ab und zog aus Berlin weg. 2018 hält er noch 70 Schafe in Kleinbeuthen südlich von Berlin.

Flughafen-Schäfer-Latein

Alter Schäfer: “Wenn die Flieger zu früh angeflogen kamen, mussten wir Schäfer mit Taschenlampen leuchten. War ja sonst noch keiner da auf dem Flughafen.”
(Wurde hier ins Hochdeutsche übersetzt.)

Schafgeschichte rund um Tempelhof in der Presse

www.tagesspiegel.de/berlin/berlin-buecher-ich-flieg-auf-berlin/23170598.html

www.berliner-zeitung.de/berlin/neuanfang-im-westen-die-spektakulaere-flucht-des-schaefers-laepple-31092706

www.berliner-kurier.de/berlin/brandenburg/republikflucht-mit-600-schafen-schaefer-laepple-und-die-belaemmerte-ddr-31092522

www.zeit.de/1982/44/sitzen-das-darf-er-nie/komplettansicht

www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/flughafen-schliessung-tempelhof-das-wollfeld/1348206.html

www.maz-online.de/Lokales/Teltow-Flaeming/Woelfe-reissen-Mutterschaf-und-elf-Laemmer

www.tagesspiegel.de/berlin/verkehr/tempelhof-die-schafe-sind-wohlauf/1099932.html

Ergänzungen

Wir sind für Ergänzungen dankbar.