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Und die Bürger reden doch und haben sogar eine clevere Alternative für das Regenwasser

Und die Bürger reden doch und haben sogar eine clevere Alternative für das Regenwasser

Hearing zum Tempelhofer Feld in der Passionskirche am 17. Oktober 2013

Trotz eines laufenden Volksbegehrens werkelt der Senat munter weiter an den Plänen zur Bebauung des Tempelhofer Feldes. Und obwohl es gelegentlich Informationsveranstaltungen zur Zukunft des Feldes gibt, empfinden viele Bürger die Planungen als wenig transparent. Sie vermissen den ergebnisoffenen Diskurs mit der Verwaltung.

Die Bürgerinitiative 100% Tempelhof, die Kleingartenkolonien Tempelhofer Berg und Neuköllner Berg sowie der Mieterrat Chamissoplatz veranstalten daher gleich eine ganze Reihe von Bürgerhearings. Die erste Veranstaltung fand am 17. Oktober in der Passionskirche statt.

Äußerst diszipliniert, mit großem Ernst und sehr viel Sachverstand diskutierten Laien mit im Publikum anwesen den Experten. In vielen Redebeiträgen wurde beklagt, dass der Senat die Bürger vor vollendete Tatsachen stelle und sie nicht ernst nehme. Die Stadtentwicklung weise eine wachsende Asymmetrie zwischen Planung und Beteiligung auf, der Masterplan habe bereits in vielen Einzelheiten fertig gefasste Vorgaben, die die  Bürger nur noch kommentieren dürften. Die Bürgerbeteiligung stehe unter dem Motto »Experten reden, Bürger halten den Schnabel«.

Tilmann  Heuser vom Bund Umwelt und Naturschutz (BUND) äußerte sich zum Regenwassermanagement und dem geplanten Wasserbecken. Die Verwaltung habe hier Grundsätze der Öffentlichkeits- und Verbändebeteiligung missachtet. Die hätten zwar Wünsche äußern dürfen, die Planung sei dann aber ohne Einbindung der Öffentlichkeit erfolgt.

Martin Pallgen, Pressesprecher der Tempelhof Projekt  GmbH verteidigte die Planungen. Bei Umfragen sei immer wieder gefordert worden: »Macht  doch was  mit Wasser.« Die Landform  sei wegen der Topographie des Feldes außerdem kaum wahrnehmbar. Das veranlasste einen der Besucher zu dem bissigen Kommentar: »Wir machen die Feldlerche platt für ein schönes Landschaftsbild.«

Eine clevere Alternative für das Regenwasser
Alle geforderten Funktionen  in einem Bau

RegenwasserbeckenLilienthalstr_OekoNachruestungHBarges_Okt2013

Am Schluss hatte Stadtplaner Hermann Barges die Gelegenheit, eine mögliche Alternative zum Bau des Regenwasserbeckens vorzustellen. Das bisherige Regenwasserbecken an der Lilienthalstraße, das ohnehin nicht aufgegeben werden  könne, weil es die Straßenabwässer aufnehmen müsse, könnte mit einer ökologisch korrekten Filterung versehen werden. Dann würden die Abwässer nicht mehr ungeklärt in den Landwehrkanal abfließen, erklärte Barges.

Durch  den Bau eines Trapezbodens über dem Becken  könnten überdies auch noch die vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg geforderten Sportplätze realisiert werden. Damit könnten alle geforderten Funktionen in nur einem Bau vereint werden.
Autorin: mr / Kiez und Kneipe Neukölln
Der Artikel „Und die Bürger reden doch / Hearing zum Tempelhofer Feld in der Passionskirche“ wurde im Magazin „Kiez und Kneipe“ im November 2013 veröffentlicht.

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Ergänzung

Gegen den Bau des Wasserbeckens klagen sowohl der BUND als auch Hermann Barges von der Bürgerinitiative 100% Tempelhofer Feld.

Der BUND für Umwelt und Naturschutz erklärt dazu: „Damit soll der Bau des 11 Mio. Euro teuren und drei Hektar großen Wasserbeckens, die Aufschüttung eines bis zu 3,25 Meter hohen und 70 Meter breiten Dammes zwischen den Landebahnen sowie ein neuer Rundweg verhindert werden. Die geplanten Bauten zerstörten Teile der offenen Wiesenlandschaft des Tempelhofer Feldes, die in ihrer Einzigartigkeit eine Überlebensinsel für seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten darstelle. Mit dem Rundweg und der sogenannten Landform würden mehr als sechs Hektar gesetzlich geschützte Biotope vernichtet.“  > weiterlesen

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